Vogelfotografie

"Faszination Vogelfotografie"

 

Hier sehen sie mich in voller Aktion, in einem verspiegeltem Versteck sitzend. Danke an meinen Fotofreund Markus für das Bild. Die Vogelfotografie betreibe ich erst intensiv seit vier Jahren. Es ist mittlerweile einer meiner größten Leidenschaften geworden. Ich verbinde zwei Interessen, die ich schon als kleiner Junge pflegte, das Fotografieren und das Beobachten von Vögeln. Nun habe ich die Zeit, beide Interessen miteinander zu verknüpfen. Vogelfotografie ist zeitintensiv. Mal so losgehen in den Wald um die kleinen Gesellen zu fotografieren ist nicht machbar.

 

Es gibt die vier "W`s" bei der Vogelfotografie

 

Was möchte ich fotografieren? Wenn ich Bienenfresser fotografiere, genießen diese meine vollste Aufmerksamkeit. Ich informiere mich vorher über die Verhaltensweisen und Lebensräume der Vögel. Auch entwickle ich schon im Kopf paar Einstell-Szenarien. Sind es flinke Vögel, oder eher behäbig?  Beifang, der vorbeikommt, wird natürlich gerne mitgenommen.

 

Wo will ich fotogarfieren? Die Auswahl der Standorte muss gut gewählt sein. Wo steht die Beobachtungshütte, wie sind die Lichtverhältnisse. Kann ich den Vogel schön freistellen. Für meine Geier-, Adler- und Trappenbilder fand ich in der "Extremadur" beste Standorte, die der Reiseleiter nach diesen Kriterien uns anbot.

 

Wann will ich fotografieren? Hier ist die Uhrzeit und die Jahreszeit zu beachten. Balzende Vögel haben ihren Tages-Rhythmus. Das kann auch schon mal ganz schön früh sein. Beim Birkwild mussten wir noch im Dunklen im Versteck sein. Um 9 Uhr war das Spektakel der Balz vorbei. Auch die Jahreszeit ist wichtig. Wann ziehen die Kraniche? Wann paaren sich die Bienenfresser?

 

Wie will ich die Vögel aufnehmen? Hier entscheiden sie bewusst und können somit ihre Aufnahmen beeinflussen. Ein Beispiel: Als ich das erste mal auf "Bienenfresser" ansaß, war ich so geflasht von den Farben der Vögel, dass ich einfach nur mit meiner Kamera draufgehalten habe. Ein Jahr später, hatte ich den zweiten Ansitz bei meinen Bienenfressern. Diesmal zur Paarungszeit. Und diesmal wollte ich viele Aktionsfotos schießen. Bewußt wählte ich zwischen Zeit- und Blendenautomat. Teilweise sogar nur mit manuellen Einstellungen.

Bei den "Kranichen" habe ich auch mehrere Ansitze gehabt, und auch hier verschiedene Techniken angewandt.

Oft gehe ich, selbst bei der Vogelfotografie, mit einigen Bilder im Kopf schwanger, bevor ich losmarschiere. Tipp - es lohnt sich. Denn nur so entstehen außergewöhnliche Aufnahmen mit einem Ah-Ha-Effekt. Bitte nicht falsch verstehen. Natürlich ist die Spontanität bei der Vogelfotografie das, was dieses Hobby so spannend macht! Wäre doch langweilig alles vorherzusehen. Aber man muss auch gut vorbereitet sein und die Technik beherrschen.

 

Kein noch so schönes Foto rechtfertigt die Störung der Vögel!

 

Alle Bilder von mir sind unter dieser Prämisse entstanden. Teilweise aus verspiegelten Fotoverstecken, wie z.B. bei den Geiern und Adlern, oder aus anderen zertifizierten Verstecken heraus. Viele meiner Kollegen halten sich an diesen Kodex. Leider gibt es auch hier paar wenige "Schwarze Schafe".

 

Fortschritt durch Technik:

 

Vogelfotografie, wie sie heute betrieben wird, war vor 20 Jahren undenkbar. Der Digitalisierung sei Dank! Nun können wir noch bei schlechten Lichtverhältnissen gute Bilder schießen. Die dritte Stellschraube ISO-Einstellung, verbunden mit hoher Pixelauflösungen machen es möglich. Auch die schnellen Serienaufnahmen sind sehr vorteilhaft. Es kommen mal schnell paar hundert Bilder zusammen, was zur Zeit der analogen Fotografie unmöglich war. Das schnelle Speichern und die große Speicherkapazität der moderne Speicherkarten, lässt einen sorgenlos fotografieren. Bei den Objektiven hilft der Bildstabi und die hohe Lichtempfindlichkeit. Der schnelle Auto-Fokus in Verbindung mit "al servo" ist kaum noch wegzudenken. 

Aber, es gibt auch hier Leute, die der alten Zeit nachjammern, weshalb auch immer.

 

Und noch was zur Ausrüstung!

 

Crop-, oder Vollformat?

 

Es wird viel geschrieben und diskutiert im Netz, ob man mit einer Crop-Format-Kamera besser dran ist als mit einer Vollformat. Ja, der Sensor und somit der Ausschnitt ist bei einer C-K kleiner. Der Vogel wird von vornherein größer und mit hoher Auflösung dargestellt. Durch den größeren Sensor bei der Vollformat erscheint der Vogel kleiner. Bei Canon um den Faktor 1,6.  Wenn dann der Vogel auf Größe Crop-Format geschnitten wird, leidet die Bildqualität. Soweit die Theorie. Ich verwende trotzdem meine Vollformat Canon 5D IV. Warum?

 

1. Die Auflösung der 5D IV hat sich nochmals wesentlich erhöht, von 24 MB auf 30 MB. Das gibt Fleisch fürs Cropen. Hier komme ich locker an die Bildqualität der 7D II heran.

 

2. Meine Objektive sind original Canon-Objektive (500m, 4f, IS II Festbrennweite und den Telekonverter 1,4 III und 2 III). Alle sind auf aufeinander abgestimmt und zur Zeit das Beste, was ein Vogelfotograf sich wünscht. Diese Qualität entfaltet sich gerade bei der Vollformat.

 

3. Der neue Autofokus der 5D IV hat sich noch mal verbessert und reagiert schneller und präziser.

 

4. Und nun mein Hauptargument: keine Crop-Kamera kommt mit dem (Nicht) Rauschverhalten der Vollformat mit. Gerade als Vogelfotograf, der oft auch bei widrigen Lichtverhältnissen fotografiert, ist dies sehr wichtig.

 

Jeder hat hier seine eigene Auffassung und das ist auch gut so. Bloß bitte nicht im Netz das als Dogma verkaufen, wie es in einigen Foren zu lesen ist.

 

Die Objektive

 

Hier geht es ums Geld, und ggf. viel Geld. Aber gemach, gemach, nicht gleich erschrecken.

Reden wir erstmal um die Brennweite. Es sollte ab 300mm losgehen. Darunter macht wenig Sinn. Die meisten Vögel in der freien Natur haben eine gewisse Fluchtdistanz. Es sei denn, es sind zahme Vögel wie unsere Amsel im Garten, oder die Vögel im Zoo. Aber auch hier kommt man nicht auf 3 Meter heran. Wenn sie eine 300mm Festbrennweite oder Zoom-Objektiv bis 300mm haben und wollen noch näher an die Vögel, dann empfiehlt es sich einen Telekonverter vor zuschrauben. Aber vorher erkundigen, ob ihr Objektiv es zulässt.

Ansonsten empfehle ich ein Tele-Zoom von Sigma oder Tamron mit einer Brennweite von 150- 600mm. Da ist man variabel, es ist relativ leicht und die Kosten sind mit 1300,- € noch überschaubar. Dieses Objektiv hat bei mir gute Dienste geleistet. Aber es ist nicht so lichtstark mit 5f bis 6f und es kann nicht alle Bereiche von 150- 600mm sauber abbilden. Es kann zu leichten Verzerrungen in den Außenbereichen kommen. Als Einsteiger ist das aber jammern auf hohem Niveau.

Und dann kommen wir zu den lichtstarken Festbrennweiten, ab 400mm aufwärts. Vorteil: die Konstrukteure können bei einer festen Brennweite das Objektiv auf den Punkt auslegen und nicht von-bis. Zudem sind sie, wie schon erwähnt, lichtstark. Nachteile gibt es aber auch. So ein Teil wiegt und ist unhandlich. Es auf Touren rumzuschleppen macht spätestens nach der ersten Tour keiner mehr. Ist eigentlich nur für Ansitzfotografie mit Stativ geeignet. Und dann der Preis der für viele von Jenseits und Bösen ist.

Fazit: Fangen sie mit einer vorhandenen großen Brennweite an mindestens 300m und legen sich einen Telekonverter zu. Oder sei leisten sich ein Tele-Zoom von Tamron oder Sigma.

Wenn sie erstmal so richtig angefixt sind von diesem Hobby, dann spielt, wie bei jedem Hobby, das Geld nur noch eine untergeordnete Rolle.

 

Die Kameraeinstellung              

 

Stelle ich auf AV (Nikon A) oder auf TV (Nikon S)? Die große Gretchenfrage bei den Vogelfotografen.

 

Ich stelle zu 80% von vornherein auf TV Zeit ein. Oft sind die Vögel in Bewegung, oder im Flug. Und um so kleiner sie sind, um so schneller sind sie. Hier ein kleiner Ratschlag von mir, wenn sie die Bewegung einfrieren wollen:

 

Große Vögel im Flug wie Schwan, Adler, Kranich usw.                  1/400s bis 1/800s

Mittlere Vögel im Flug  wie Möwen, Elstern usw.                            1/800s bis 1/1200s

Kleine Vögel im Flug wie Meisen, Zaunkönig usw.                         1/1200 bis 1/3200s

 

Schauen sie auch bei mir unter "Faszination Vogelfotografie". Hier habe ich an jedem Foto die EXIF Daten angehangen. Daran können sie ablesen, welche Zeit, bei welchem Vogel ich eingestellt habe.

Aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regeln. Wollen sie eine gewisse Bewegungsunschärfe zulassen (Flügelschlag ist verschwommen, siehe Kraniche (Familienausflug), dann wählen sie nach Belieben eine längere Belichtungszeit, je nach ihrem Geschmack. Bei meinem Beispiel habe ich 1/80s gewählt.

 

Bei dem Jungstaren-Bild (Star (e) Wars), wollte ich bewusst die Bewegung einfrieren und habe somit eine Verschlusszeit von 1/4000s gewählt. Jetzt macht die Kamera folgendes:

Sie stellt fest, dass die kurze Belichtungszeit nicht ausreicht für eine ordentliche Belichtung. Nun wird an der ersten Stellschraube gedreht und die Blende, soweit es geht, geöffnet. In dem Fall auf f5,6 (bedingt durch Brennweite 500mm, f4 plus 1,4 Telekonverter). Reicht das immer noch nicht, greift die Kamera an die nächste Stellschraube. Die ISO-Zahl wird hochgesetzt, am Beispiel Stare auf ISO 10 000. 

An dem Beispiel sehen sie, weshalb ich mit meiner Vollformat-Kamera fotografiere und nicht mit meiner Crop-Format. Bei der Crop-Format hätte das Bild bei dieser hohen ISO-Zahl ein nicht akzeptables Rauschen bekommen.

 

Bei den restlichen 20% stelle ich auf AV (Nikon A) ein, wenn ich bewusst mit der Tiefenschärfe spielen möchte. Große Blende für einen schön freigestellten Vogel (Samtkopfgrasmücke (Immer in Bewegung), kleine Blende, wenn ich den Vogel von vorne bis hinten scharf bekommen will, bei ungünstiger Haltung des Vogel. Oder ich möchte den Vogel in einer schönen Landschaftsformation mit einbinden.

 

Manuell M stelle ich seltener ein, aber es kommt auch vor. Hier müssen dann aber in Teilen des Bildes Über-, oder Unterbelichtungen in Kauf genommen werden. Siehe das Bild von den Bienenfressern (Punktlandung). Bewusst habe ich die Zeit und eine gewollte kleine Blende für genügend Tiefenschärfe eingestellt, um den Vogel schön scharf von vorne bis hinten zu bekommen und die Bewegung einzufrieren. Der blaue Hintergrund ist hierdurch leicht überbelichtet. Das Bild bekommt somit einen High-Key-Effekt, was auch ein Stilelement sein kann. Bei High-Key-Bildern überwiegen im Histogramm die hellen Bereiche links. Allerdings sollten keine ausgebrannten Bereiche (zu hell und somit keine Farbinformationen enthalten) entstehen.

 

Und Automatik? Nie! Aber ich glaube, hier sind wir uns alle einig. Bei dieser speziellen Fotografie macht die Automatik überhaupt keinen Sinn.

 

Ich hoffe, meine Tipps helfen weiter. Ansonsten können sie mich jederzeit unter Kontakt anschreiben. Gerne beantworte ich ihnen ihre Fragen.

 

Meine Ausrüstung:

Canon 5D IV (III) und 7D, Canon 500mm, f4, IS II, Tamron 150mm-600mm, Canon Telekonverter 2x III und 1,4x III, Stativ und Video-Neiger, Gimbal-Head.

 

Vögel im Flug sind eine Herausforderung für die Kamera und dem Fotografen

 

Umgang mit dem Licht

 

Vögel im Flug zu fotografieren ist immer eine große Herausforderung. Gerade, wenn sie genau über uns fliegen. Meistens sind dann nur Silhouetten zu erkenne, die Farben vom Federkleid erkennt man kaum. Hier nun paar Tipps von mir, wie man das Beste daraus machen kann.

 

- mit der Spotmessung arbeiten. Bei der Punktmessung versucht die Kamera die dunkle Unterseite des Vogels optimal zu belichten. Das kann zu besseren Ergebnissen führen. Allerdings wird der Hintergrund (Himmel) noch etwas heller dargestellt. (Baumfalke)

 

- Nicht direkt gegen den Himmel fotografieren, gerade wenn er strahlend blau ist. Der Kontrastumfang ist für die Kamera zu groß. Abwarten, wenn der Vogel im Gelände oder auf See ist. (Gänsegeier, Basstölpel)

 

- Bewölkter Himmel hilft auch. (Rohrweihe, Löffler, Kraniche)

 

- Wenn Schnee liegt oder auf offenem Wasser, das Licht wird reflektiert und die Unterseite des Vogels dadurch aufhellt, wirkt wie ein Reflektor. (Fischmöwe)

 

- Mit Photoshop oder Lightroom mit dem Tiefenregler die Tiefen herausnehmen. Geht aber nur bis zu einem gewissen Punkt und auch nur im RAW-Format. (Baumfalke)

 

- Einfach damit leben. Man spricht dann auch von Scherenschnittaufnahmen und dies kann ein schönes Stielelement sein. (Brauner Sichler, Kraniche)

Autofokus und der kontinuierliche Autofokus

 

Ohne einem Autofokus wäre unsere Ausbeute bei der Vogelfotografie stark begrenzt. Eigentlich die wichtigste Errungenschaft bei den modernen Kameras für Sport- und Tierfotografen. Zudem bieten die meisten Kameras zusätzlich den kontinuierlichen Autofokus an. Bei Canon heißt er AI Servo. Hier kann man den Vogel im Flug vorfokussieren und im richtigen Moment abdrücken. Der Fokus passt die Entfernung des Vogels immer an. Einfach genial. Beispiel Seeadler beim Zugriff, siehe unten. In Verbindung mit einer schnellen Serienaufnahme wurden diese Bilder gemacht.

Wenn sie viel auf Vogelpirsch gehen, sollte sie beim Kauf ihrer Kamera darauf achte, dass der Autofokus schnell greift, ein kontinuierlicher Autofokus vorhanden ist und das die Kamera schnelle Serienaufnahmen anbietet. Ab 6 Bilder in der Sekunde aufwärts wäre gut. Fragen sie beim Kauf gezielt hiernach.

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