Naturfotografie Sierra de Anduja und Sierra de Guadarrama


Meine Reise im Januar 2020 zu zwei Naturparks in Spanien. Kein "all inclusive", kein Pool mit coolen Drinks. Stattdessen ganz früh aufstehen. In kalten engen Fotoverstecken 8 Stunden und länger sitzen. Warum tut man sich das an?

 

Hierzu eine Beschreibung, wie so ein Tag abläuft:

 

Meist geht es schon im stock Dunklem los. Beim ersten Ansitzen ist das Terrain unbekannt. Wo werden wir landen, wie sieht es dort aus? Mit den Headlamps geht es zur Hütte. Erstmal einrichten in der Enge (meist Zweier-, oder Dreierversteck). Stativ aufbauen. Kamera einstellen usw.. Wir waren zu Dritt und alle hatten reichlich Erfahrungen von vielen Naturfotoreisen.

Es wird dämmerig. Nun der Ah-ha-Moment. Was für eine Landschaft, was für ein Ausblick bot sich bei beiden Verstecken.

Es dauert auch nicht lange, der erste Besuch, ein Rotfuchs, stellte sich ein. Noch zu dunkel für vernünftige Bilder. Dann das Warten auf den Luchs, bzw. Steinadler. Es wird nicht langweilig. Ständig kommen unerwartet Gäste vorbei. Blauelstern, Bussard, Milan und vieles mehr. Und dann immer wieder der Blick in diese atemberaubende Landschaft. Plötzlich das Objekt der Begierde. Der Höhepunkt beim Ansitzen. Garantie gibt es allerdings keine, schließlich sind wir nicht im Zoo. Am späten Nachmittag werden wir vom Ranger oder dem Betreiber wieder abgeholt. Die Hütte selbstständig zu verlassen ist absolutes Tabu, da sonst die Tiere verunsichert werden. So gilt das Indianerprinzip. Einer kommt daher, vier gehen. Da die Tiere nicht zählen können, ist es für sie eine kurzfristige Stresssituation.

 

Zu den Hütten:

 

Alle müssen von den örtlichen Umweltbehörden genehmigt werden. Egal ob auf öffentlichen Gelände, oder auf privaten Grundstücken. Verstecke für Greifvögel und Luchs müssen verspiegelt sein. Fotografen die Kaiser-, Steinadler, oder Luchs fotografieren wollen, müssen sich personalisieren. Es gelten Verhaltensregeln, die strickt eingehalten werden müssen. Dazu gehört natürlich sich still zu verhalten. Auch hektische Bewegungen sind zu vermeiden, da selbst durch das verspiegelte Glas, Luchs und Adler, dies wahrnehmen können. Dunkle Kleidung (Handschuhe und Mütze einschließlich) ist zu tragen. 

Der Ranger oder Betreiber der Hütten legt bei Greifvögel meist kleine Köder aus. Beim Luchs ist das Anlocken mit Ködern verboten.

 

Diese Reise, speziell für Naturfotografen, wurde angeboten von http://reisen-in-die-natur.de/ . Meine Naturfotoreisen zu den Kapverden, in das Donaudelta und in die Extremadura habe ich auch mit diesem Anbieter unternommen. 

 

Zurück zu meiner Anfangsfrage:

 

Natürlich bin ich bestrebt fantastische Bilder von Adler und Co zu machen. Aber es steckt einfach mehr dahinter. Man fühlt sich eins mit der Natur und es wird einem bewusst, wie schön aber auch zerbrechlich das Gebilde ist. Die Ruhe, unterbrochen vom hektischen Treiben der Tiere, die grandiose Landschaft, die einfach da ist. Die Farben, die sich mit dem Sonnenstand ständig ändert. Keine ständigen Nachrichten mitbekommen über Trump, Brexit und anderen Katastrophen. Es ist für mich Wellness pur. Und in den wenigen Phasen der Ruhe, einfach in sich kehren und seine eigenen Gedanken treiben lassen. Das Alles hat Suchtpotential und meine nächsten Naturreisen sind schon in Planung!


Sierra de Anduja

 

Die Sierra de Anduja liegt im nördlichen Andalusien. Es ist ein großer zusammenhängenden Mittelmeer-Wald mit Steineichen, Wachholder, aufgelockert von großen Granitblöcken. Auf vielen private Grundstücke werden halbwild Hirsche gehalten. Die Gegend ist beliebtes Jagdgebiet. Hauptsächlich Hirsche, Wildschweine und Rothühner stehen auf der Abschussliste. Der "Iberische Luchs" nicht mehr. Er war so gut wie ausgerottet. Mit aufwendigen Aufzuchtstationen und Auswilderungsprogrammen ist sein Bestand von 60 auf 600 Tiere gestiegen. Der "Iberische Luchs" ist etwas kleiner als der europäische Luchs. Er ernährt sich von Wildkaninchen, Rothühnern, anderen Vögeln und Kleinsäugern. Es gibt ihn nur noch in drei Gebieten Südspanien. Trotz der Erfolge beim Schutz der Tiere, zählt der "Iberische Luchs" weiterhin zu den gefährdetsten Großkatzen der Welt.

An drei Tagen saßen wir auf ihn an und hatten wirklich Glück gehabt. An zwei Tagen konnten wir ihn beim besten Licht fotografieren. Wie uns der Ranger sagte, nachdem wir die Bilder von ihm zeigten, handelte es sich um einen erfahrenden Revierkater. Die Luchse dürfen nicht mit Ködern angelockt werden. Dieser Kater hatte es allerdings drauf, die Köder für die Greifvögel sich zu schnappen.


Sierra de Guadarrama

 

Nördlich von Madrid lag unsere zweite Station. Im Gegensatz zu Anduja, ist dieses Gebiet ein Nationalpark. Auf 1700 Meter lagen die Fotoverstecke. Das Objekt der Begierde war der Steinadler. Am ersten Tag "Fehlanzeige". Trotzdem hatten wir keine lange Weile. Milane, Blauelster, Bussard und mehr, ließen unsere Kameras glühen. Und dann dieser Ausblick auf diese grandiose Landschaft. Am zweiten Tag, um 13 Uhr, dann der große Moment. Ein Steinadlerweibchen kam, wie aus dem Nichts, und platzierte sich für uns in bester Position. Wechselte auch den Standort, sodass wir diesen herrlichen, würdevollen Vogel in verschiedenen Positionen ablichten konnten. 17 Minuten gab uns die Dame das Vergnügen. Für mich wurde ein Traum war. Das erste mal einen Steinadler in freier Natur gesehen und dann noch so herrlich fotografieren können.

Der letzte Tag sollte es in die Geierschlucht zum Fotografieren gehen. Geier im Flug hinter herrlicher Bergkulisse. Leider war dies ein Regentag. Aber so ist nun mal Naturfotografie. Trotz alledem eine erfolgreiche und schöne Tour zu den Adlern, Luchs und Co.