Menschen fotografieren

 

Menschen zu fotografieren ist hohe Fotokunst - aber

 

Menschen zu fotografieren ist ein sehr spezielles Gebiet. Ein Fotokumpel aus Wolfsburg sagte mir mal, "Gesichter erzählen tausend Geschichten". Hier, ein Link auf Wilfried Zirkel`s Homepage http://www.photozirkel.de,. Viele seiner Aufnahmen sind in fernen, fremden Kulturen entstanden. Und wenn sie sich die Bilder anschauen, dann sehen sie eine neue Welt. Ist das nicht schön, dass Fremde auch in den Gesichtern zu entdecken?

Das Foto oben zeigt eine Marktfrau, die ich auf den Kapverden fotografiert habe. Sie forderte mich auf, Bilder von ihr zu machen. Dies tat ich gerne, auch weil dies nicht verbunden war mit einer Geldforderung. So wurde eine ehrliche Beziehung zwischen der Frau und dem Fotografen hergestellt. Anschließen präsentierte ich ihr auf dem Display ihre Fotos. Die Frau rief ihre Kolleginnen und zeigte stolz die Bilder, und ich hatte eine schöne Aufnahme mehr von diesem Land. Natürlich kaufte ich im Anschluss auf ihren Stand ein paar frische Fische.

 

Fotoknigge bitte beachten!

 

Wenn sie fremde Menschen fotografieren, sollten sie einige Dinge beachten bzw. nicht tun:

 

- Fotografieren von Menschen und Kinder ohne ihre Einwilligung (bei Kinder die Erziehungsberechtigten) tunlichst vermeiden.

Ich habe es persönlich erlebt, dass ein Bus anhielt vor spielenden Kinder. Die Bustür öffnete sich und eine Gruppe Touris  strömte heraus mit ihren Kameras und ballerten drauf los. Dies gesehen in Marokko. Und gerade in einem Land, was muslimisch geprägt ist und eigentlich keine Fotos von Menschen erlauben.

 

- Wenn sie in einem fremden Land sind, betrachten sie sich immer als Gast und nicht, wie einige, als angeberische Gönner, die überall fotografieren dürfen, wo sie wollen. Stellen sie sich vor, es klingelt einer bei ihnen vor der Tür und möchte schöne Bilder von ihrem Haus machen und schießt gleich los?

 

Ehrliche authentische Bilder erzeugen und weniger ist auch hier mehr!

 

Natürlich gibt es nichts schöneres Menschen authentisch zu fotografieren. Ich gehe wie folg vor:

 

- meine Kamera hängt nicht demonstrativ vor der Brust. Das wirkt provozierend und angeberisch. Ich lege sie an die Seite an und verdecke sie meist mit meinem Arm. 

 

- bauen sie ein ehrliches Verhältnis auf. Ein lockerer Smalltalk, ein Lächeln, Interesse zeigen. Um so herzlicher das Gespräch sich entwickelt um so eher die Chance am Ende nach einem Foto zu fragen. 

 

- wenn die Beteiligten sich bereiterklären, dann bitte kein Dauerfeuer. Wenn Ihre Kamera einen Leise-Auslösermodus hat, bitte einstellen. Zwei, drei Bilder gut ist. Weniger ist mehr!

 

- ich zeige oft anschließend die Bilder auf meinem Display, das kommt immer gut an. Auch frage ich, bei großem Interesse, ob ich das Bild in Form einer E-Mail schicken soll.

 

- Bilder von bettelnden Kindern und Menschen, oder Menschen in Not, Betrunkene, Personen mit Körperbehinderungen usw. sind für mich absolut tabu!

 

- oft wollen sich Menschen in armen Ländern, für einen Obolus fotografieren lassen. Auch hier lehne ich ab. Diese Bilder sind für mich nicht authentisch.

 

- aber auch ich kann nicht immer widerstehen Menschen zu fotografieren, ohne sie fragen. Bitte aber dann diese Regeln verwenden. Die betroffene Persone sollte es wirklich nicht mitbekommen. Versuchen sie Situationen zu finden, in dem das Gesicht nicht unbedingt zu erkennen ist. Oder sie stellen eine lange Verschlusszeit ein, die einen Wischeffekt erzeugt und so die fotografierte Person nicht direkt zu erkennen ist.

 

- Menschen müssen nicht immer gefragt werden. Sie bauen die Person in ihre Bildkomposition so mit ein, sodass die Person nicht direkt im Mittelpunkt steht. Beispiel: Brandenburger Tor ist das Hauptmotiv, die Personen davor sind nur Nebensache.

 

- im Zweifelsfall rate ich dringend auf Veröffentlichungen von Bildern ab, wenn Personen im Mittelpunkt stehen und sie nicht vorher um Erlaubnis gefragt wurden. Eine betroffene Person kann sie verklagen und das kann teuer werden.

 

- Sie können Personen aber auch gezielt nach einer Genehmigung für eine Veröffentlichung fragen. Am Besten noch, wenn dies schriftlich erfolgt.

 

- kein noch so schönes Foto ist es wert, wenn die fotografierte Person nicht damit einverstanden ist! Versetzten sie sich immer in die Lage der Person.

 

Fototechnik beim Fotografieren von Menschen

 

- ich stelle immer auf Zeitautomat ein, also AV bei Canon, A bei Nikon und Co. So gebe ich die Blende vor. Und hier öffne ich so weit es geht. Vorteile dieser Methode:

     - die Person wird schön freigestellt. Heißt Gesicht ist scharf und der Hintergrund verschwimmt. Beispiele Kinder auf den Kapverden, siehe unten (Blende 2,8mm, Brennweite 100mm).

     - die Verschlusszeit verkürzt sich. Gut bei schlechten Lichtverhältnissen. So bekommt man verwacklungsfreie Bilder gut hin.

 

- immer den Schärfepunkt auf das Auge richten. Die Augen sind das A und O bei Portraitaufnahmen.

 

-  auf einen schönen harmonischen Hintergrund achten. Oft sind es nur paar Meter und der Hintergrund ist ausgeglichener.

 

- weiches Licht ist am Besten. Die schönste Zeit ist das Morgenlicht und das Licht am späten Nachmittag.

 

- möglichst Gegenlicht vermeiden. Es sei denn sie wollen es bewusst tun, z.B. als Stilelement. Hier bietet sich dann ein Aufhellblitz an.

 

- weniger ist mehr. Es muss nicht immer die ganze Person oder Gesicht auf das Foto. Teilansichten haben auch ihren Reiz.

 

- nicht immer muss die Person in die Kamera schauen. Ein Blick seitlich wirkt oft verträumt, siehe Beispiel unten.

 

- ich fotografiere gerne mit langen Brennweiten. Meine Lieblingsobjektive ist das 100mm, 2,8f Objektiv von Canon und das 85mm, 1,4f von Sigma. Vorteile: man hängt nicht mit der Kamera vor dem Gesicht. Oft fühlen sich die Personen wohler mit einem gewissen Abstand. Auch kann anonym fotografiert werden, wie das Beispiel mit der Marktfrau, siehe unten. Ein weiterer Vorteil ist, um so länger die Brennweite, umso kleiner der Tiefenschärfenbereich. Die Person kann besser freigestellt werden zum Hintergrund.