Hochzeitsfotografie


Den schönsten Tag bildlich festhalten

 

Hochzeitsfotografie ist einer der anspruchsvollsten Disziplinen in der Fotografie. Von daher gibt es viel zu beachten um anschließende Enttäuschungen vorzubeugen.

 

Wer soll fotografieren?

 

Ich rate hier einen außenstehenden neutralen Fotografen zu engagieren. Warum? Ein Bekannter oder Verwandter möchte sicherlich auch die Feier genießen und nicht ständig beschäftigt sein, mit der Kamera durch die Gegend zulaufen. Auch kann somit vorgebeugt werden, falls die Bilder nicht den Erwartungen des Brautpaares entspricht, schlechte Laune in der Familie oder Bekanntenkreis zu entgehen. Eine außenstehende Person hat auch eine neutrale Sichtweise und sieht Dinge, die bei einer nahestehenden Person des Brautpaares vielleicht untergehen. Sie kennen sicherlich den Begriff Betriebsblindheit.

 

Ein Vorgespräch mit dem Fotografen und Brautpaar vereinbaren

 

In diesem Gespräch sollten die wichtigsten Eckpunkte besprochen werden und in einer Art "Checkliste" festgehalten werden. Auch wichtig für den Fotografen, dazu später mehr.

 

Inhalt einer Checkliste

 

- natürlich Termine. Wann und wo? 

 

- Umfang für den Fotografen festlegen

     - in der Kirche, oder auch Standesamt

     - das Hochzeitsessen, die Feier mit Tanz, Torte anstechen, Brautkranz werfen usw..

     - Polterabend, Junggesellenabschied.

     - separates Paarshooting, wo und wie (halte ich für ganz wichtig)

     - Ringe, Brautschuhe, Brautstrauß und andere persönlichen Brautgegenstände vorab fotografieren.

Sie sehen, der Umfang kann sehr schmal, oder sehr umfangreich ausfallen.

 

- die Schwerpunkte festlegen hinsichtlich Gestaltung

     - jeder Fotograf hat seinen eigenen Stil. Dies sollte auch mit dem Brautpaar abgestimmt werden. Gefällt der Stil einer offenen Blende jeden? Oft ist es Geschmacksache.

     - Der Fotograf sollte auf jeden Fall paar Beispielfotos parat haben bei dem Vorgespräch. 

 

- den Preis vorkalkulieren und besprechen.

- Ganz wichtig ist die Preisvorstellung, bzw. Vorkalkulation. Der Fotografen sollte seinen Stundensatz transparent offenlegen. Denn nach der Feier kommt oft eine Katerstimmung hinsichtlich Kosten auf das Brautpaar zu. Oft sind die Bilder vom Fotografen der letzte Rechnungsbetrag. Und es kommt schon vor, dass dann nachverhandelt wird. 

     - legen sie ihren Stundensatz vor und erklären sie ihn.

     - bedenken sie, auf jede Fotostunde kommt nochmal eine halbe Stunde für Sichtung und Bildbearbeitung zu. Bei einem Shooting von 4 Stunden, wären 2 Stunden zusätzlich. Erklären sie dem Brautpaar dies. Viele glauben, die schönen Bilder kommen fix und fertig aus der Kamera.

     - on top kommen noch Fahrtkosten und andere Spesen (Datenträger) hinzu.

     - soll eine Fotobuch erstellt werden? Oder sollen Bilder in bester Qualität gedruckt werden? Wie soll die Datenübergabe und in welcher Form erfolgen?

 

- Sonstiges

     - Hinweis, dass die Bilder in der Hand des Brautpaares bleiben.

     - Dauer der Aufbewahrung  der Originalbilder auf ihren Speicher festlegen

     - ggf. die Bitte, ein schönes Bild für ihren Werbekatalog zu behalten. Hier empfiehlt sich eine schriftliche Vereinbarung.

 

Die gemeinsame Absprache vorab ist sehr wichtig für beide Seiten und erspart im nachhinein viel Ärger. Ich kenne einige Hochzeitsfotografen, die mir nicht nur ihren Spaß über schöne Bilder von einem Hochzeits-Shooting berichteten, sondern auch Stress mit Kunden im Nachgang (Einzelfälle bis hin zum Gang zum Rechtsanwalt).

 

Was ist für den Fotografen bei dem Shooting zu beachten?

 

Das Hochzeits-Shooting nur mit dem Brautpaar

 

Das sind die wichtigsten Bilder vom Paar und müssen mit großer Sorgfalt angegangen werden. 

 

- ein schöner geeigneter Ort ist die halbe Miete.

Ein romantisches Plätzchen im Park, auf historischen Plätzen oder in/vor prachtvollen Gebäuden. Aber auch Orte könne in Betracht kommen, die einen festen Bezug  zum Brautpaar herstellen, wie z.B. das Sportheim, an dem man sich näher gekommen ist. Machen sie Vorschläge und fragen sie gezielt nach. 

 

- positionieren sie das Brautpaar richtig.

Das Paar muss nicht immer in die Kamera schauen. Der Blick zugewandt, oder Braut schaut auf den Blumenstrauß wirken romantischer und authentischer. Lassen sie ruhig etliche Positionen durchspielen. Das Paar genießt es bestimmt fotografiert zu werden und wird nicht genervt sein. Hier können sie auch ruhig auf schnelle Serienaufnehmen stellen. So kann ein Bild mit halbgeschlossenen Augen schnell aussortiert werden. Hilfreich ist ein Assistent. Das kann auch einer aus der Familie sein. Er kann helfen beim Ausrichten des Brautkleides, oder er hält einen Lichtreflektor zum besseren Ausstrahlen des Paares. 

 

- wählen sie die richtige Blende.

Ich bin ein Fan von offener Blende. Damit erhalten sie ein schönes Bukeh. Der Hintergrund ist verschwommen, das Paar kommt schön zur Geltung (man spricht auch vom Freistellen). Aber beachten sie, dass der Tiefenschärfenbereich sehr gering dabei ist. Die Augen beider Personen müssen scharf sein. Sollte einer etwas weiter im Hintergrund stehen, müssen sie die Blende verkleinern. Die Augen müssen immer scharf sein. Es sei denn, sie wollen bewusst ein Person freistellen und der Partner ist im Hintergrund verschwommen dargestellt. Machen sie auch hier möglichst viele unterschiedliche Einstellungen. Denn nichts ist schlimmer, wenn sie zu Hause am Großbildschirm feststellen, dass der Schärfebereich ungenügend ist.

 

Das Shooting Kirche / Standesamt

 

- Blumenkinder, Wiegebaumsägen usw.

Vieles weiß das Brautpaar im Vorgespräch auch nicht, was so die Verwandten und Bekannten an Rahmenprogramm vorhaben. Stellen sie sich auf Überraschungen ein.

 

- möglichst unauffällig bleiben.

Falls ihre Kamera einen Leise-Auslösemodus hat, bitte einstellen. Kein Dauerfeuer. Vermeiden sie möglichst Blitzlicht. Gehen sie nach vorne. Möglichst halb seitlich. Nicht von hinten fotografieren.

 

- Ringübergabe und Kuss.

Da gibt es nicht viel Zeit zum Üben beim Fotografieren. Falls sie es trotzdem nicht optimal hinbekommen, einfach mal lustig fragen: "dass war so schön, könnt ihr nochmal?"

 

- nach der Trauung ein Gruppenbild

Das Bild vor der Kirche / Standesamt sollte schon vorher angekündigt sein. Meisten laufen nach der Trauung alle in Vorfreude auf das Festessen davon. Die Aufforderung sollte vom Brautpaar kommen, siehe auch Absprache oben.

 

- Einstellungen der Kamera.

In der Kirche empfiehlt sich ein Weitwinkelobjektiv. Blende würde ich auf 6,3f und ISO-Automatik einstellen. Diese Fotos sind hauptsichtlich Beweisbilder bzw. Standardfotos, die nicht fehlen dürfen und haben keinen sehr hohen künstlerischen Anspruch. Hier verzeiht man auch mal, dass ein leichtes Bildrauschen durch hohe ISO-Zahl vorhanden ist.

 

Die Feier im Saal oder Draußen

 

Jetzt wird es für den Fotografen hektisch. Muss er doch versuchen überall die schönsten Momente mit der Kamera abzulichten. Kuss der Paares, die Oma, die Geschwister und alle übrigen Anwesenden. Und es darf keiner später fehlen im Fotobuch. Die Erfahrungen und die Kreativität des Fotografen ist gefragt. Kleine Blende wählen für Porträts, schnelle Verschlusszeit beim Tanz.

 

- natürlich steht das Brautpaar im Mittelpunkt und genießt die volle Aufmerksamkeit

     - der Kuss nach Aufforderung der Hochzeitsgesellschaft

     - die Rede des Bräutigams, der Eltern

     - der Brauttanz 

     - Tortenanstich

     - Braut und Bräutigam beim Tanzen mit den Gästen

     - Wurf des Brautstraußes

- die Gäste

     - nicht immer müssen die Gäste in die Kamera schauen

     - weniger ist mehr. Nicht immer muss das ganze Gesicht dargestellt sein

     - schöne Kinderbilder beleben das Fotobuch

- Zubehör

     - Tischdeko

     - Geschenketisch

     - das Essen, am Buffet (Mittags, Kaffee und Kuchen)

     - Musiker, oder Diskjockey

 

- wählen sie die richtige Perspektive. Dies gilt auch für die Punkte oben.

     - gehen sie ruhig mal auf den Boden, oder stellen sie sich auf einen Stuhl.

     - ein Gruppenbild mit einer Drohne aufgenommen, bringt einen besonderen Aha-Effekt.

     - Kreativität zahlt sich aus

 

Grundausrüstung für des Fotografen

 

     - am Besten zwei Bodys. Hilft dabei, nicht ständig die Objektive zu wechseln

     - ein Weitwinkelobjektiv für Innenaufnahmen

     - lichtstarke Festbrennweite. Empfohlen 85mm, 100mm Brennweite. Vorteil, man hängt mit der Linse nicht direkt vor dem Gesicht. Es können auch Gäste unbeobachtet fotografiert werden.

     - Blitzlichtgerät als Aufhellblitz beim Paarshooting und ggf. in dunklen Räumen.

     - optional Stativ für Gruppenaufnahmen bei schlechten Lichtverhältnisse

     - Ersatz-Akkus und reichlich Speicherkarten

 

Bildbearbeitung

 

Eine nachträgliche Bildbearbeitung bringt den Feinschliff. Welches Programm sie hier verwenden ist eigentlich egal. Für bestimmte Bildserien achten sie auf einen möglichst gleichen Bild-Look. Dem Betrachter freut es, wenn er nicht ständig mit neuen Looks konfrontiert wird. Versuchen sie auch mal paar Bilder in Schwarz/Weiß.  Auch eine Vignettierung kann, gerade bei den Brautpaar-Bildern, hilfreich sein. Aber bitte nicht übertreiben. 

Hier ist nochmal ihre Kreativität gefragt und sie können sich austoben. Fotografieren sie unbedingt in RAW-Format, um das beste Ergebnis für die Bilder herauszuholen. Vorteil ist auch, dass sie die Bilder noch im Nachgang nach belieben bearbeiten können.

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