Fotografieren am Abend

 

Ablauf des Seminars:

 

- theoretische Einführung

- Praxis-Teil

- Bildbesprechung und Bildbearbeitung der Bilder mit einem RAW-Konverter

 

Dank der Digitalisierung von Fotos, können wir heut zu Tage leichter schöne Bilder auch im Halbdunklen machen, ohne ein Blitzlichtgerät zu verwenden. Gerade bei architektonisch interessanten Gebäuden (die halten schön still) macht es Spaß, sie im angestrahlten Zustand richtig zu fotografieren. Wir haben in Wolfsburg das Glück, dass einige schöne Gebäude auch am Abend angestrahlt werden. Ich nenne hier mal das Kunstmuseum, das Planetarium mit Giraffe und Theater, das Phaeno, die Autostadt, der Kolumbianische Pavillon, die Volkswagenarene und noch viel mehr, siehe auch unten.

Ich möchte heute auf die Aufnahmetechniken eingehen. Es sind doch einige Feinheit zu beachten, um wirklich schöne Bilder zu erstellen.

 

Was benötigen wir für diese Fotografie?

 

- eine digitale Kamera, die auch Langzeitbelichtungen ermöglicht und ein Objektiv mit einer kleinen Brennweite (Weitwinkel)

- ein Stativ (na klar, eine halbe Minute und länger die Hand ruhig halten ohne zu verwackeln schafft keiner)

- ein Drahtauslöser wäre sehr hilfreich.

- wie im Teil II beschrieben, gegebenenfalls ein Bildbearbeitungsprogramm (RAW-Konverter)

 

Teil I - wie gehe ich vor - die Aufnahme zu erstellen

 

- den richtigen Standort wählen. Die Perspektive muss stimmen. Möglicht etwas Vordergrund mit einbeziehen (siehe Bild oben das Fahrrad).

- das Stativ aufstellen und mit der Kamera ausrichten.

- möglichst in JEPG und in RAW abspeichern. Warum, erkläre ich im Teil II

- Solltet ihr ein Objektiv mit Bildstabilisatior benutzen, dann bitte den Stabi ausschalten. Der Bildstabi versucht kleinste Erschütterung auszugleichen. Das wäre hier kontraproduktiv und könnte zur leichten Unschärfe führen.

- nun stellt ihr das Rädchen auf Zeitautomat (bei Canon AV) und stellt einen Blendewert von f8 oder f9 ein. Dies bewirkt eine hohe Tiefenschärfe und ist gerade bei Architektur-Fotografie hilfreich.

- den ISO-Wert stellt bitte auf den kleinsten Wert, bei Canon ISO 100. Das verhindert das Rauschen und die Schärfe bleibt so erhalten.

- am Objektiv den Autofokus ausstellen. Ich fokussiere manuell. Das kann man im Dunklen auch schön über das Live-View- Menü machen. Kurz vor dem Gebäude fokussieren, dann wird das Bild durchgängig von vorn bis hinten scharf.

- nun kann es losgehen. Mit dem Kabelauslöser auslösen. Falls keiner vorhanden, könnt ihr auch mit dem Selbstauslöser arbeiten. Nach paar Sekunden schließt die Blende automatisch. Bei Canon und Nikon-Kameras wird nur bis zu 30 Sekunden automatisch belichtet. Reicht diese Zeit für eine vernünftige Belichtung nicht aus, müsst ihr auf das Programm B (Bulb) gehen. Hier habt ihr es in der Hand, wie lange ihr die Blende offen lasst. Dies erfordert meist eine kleine Versuchsreihe, bis die perfekte Belichtung des Objektes im Kasten ist. Auch ist hier ein Kabelauslöser unerlässlich, um verwacklungsfreie Bilder zu bekommen.

- ruhig mal die Aufnahmeposition wechseln.

- jetzt nur noch zusammenpacken und ab nach Hause.

 

Eine weitere Technik kann kombiniert werden, die Zoomtechnik, siehe hier unter Rezept "Zoom-Technik".

 

Mit einer Taschenlampe oder Leuchtband, können noch Leuchteffekt dazu erzeugt werden. Dies ist aber schon sehr speziell und wird nur theoretisch im Workshop gezeigt. Man spricht bei dieser Technik von Light-Painting, siehe auch Link "lumenman.de/gallery/light-lakes-light-painting-series/".

 

 

Teil II - die Bildbearbeitung

Die digitale Fotografie besteht eigentlich aus zwei Errungenschaften.

Erstens: der hochempfindliche Kamera-Sensor, in Verbindung mit einer hohen Auflösung und die kamerainterne Verarbeitung im Hintergrund (Umwandlung der Bilder in JPEG-Format, Voreinstellungsmöglichkeiten, variable ISO-Werteinstellung).

Zweitens: die digitale Dunkelkammer, sprich, die Bildbearbeitungsprogramme, bei denen wir die Bildern nochmal nachbessern können. Was früher aufwendig in Dunkelkammern mit viel Chemie nachgebessert wurde, erreichen wir jetzt bequem am PC oder Laptop mit paar Mausklicks.

 

Warum empfehle ich das Speichern der Bilder in RAW?

 

Vorteile:

1. Die Dateien enthalten vier mal so viel Informationen als ein JPEG Bild.

2. Der Farbraum ist unbegrenzt

3. Eine Korrektur der Bilder im Nachhinein ist von daher eher gegeben als mit JEPG und das Original bleibt immer erhalten.

 

Nachteile:

1. ich muss die Bilder nachbearbeiten und somit bedeutet es mehr Zeitaufwand für mich. Das was Kameraintern (von den Herstellern) schon mit JEPG Bildern passiert, muss ich nachvollziehen.

2. Hohe Speicherkapazität ist erforderlich. Bei schnellen Serienaufnahmen kann dies auch zum Nachteil sein. Zudem sollte die Speicherkarte auch entsprechend ausgelegt sein, hinsichtlich Schnelligkeit und Kapazität.

 

Gerade bei den Nachtaufnahmen kommt es sehr häufig vor, dass die Kamera mit der Farbtemperatur in Schwierigkeit kommt. So trifft sie oft nicht den Farbton und die Bilder sind entweder zu gelbstichig oder zu blaustichig. Mit dem RAW-Format und einem geeigneten RAW-Konverter kein Problem die Fehler nachzuregeln. Alle Informationen sind noch vorhanden, siehe auch oben.

Bei dem Kauf neuer Kameras werden oft vom Hersteller RAW-Konverter zur Verfügung gestellt. Der Platzhirsch unter den RAW-Konvertern ist Lightroom. Es ist für mich die beste Software. Mittlerweile sind in LR auch Panorama-Zusammenstellungen und HDR-Erstellungen möglich. Daneben gibt es von Adobe noch Elements und Photoshop. Gimp ist eine Freeware-Software und bietet auch viele Funktionen, die LR hat, an. Allerdings muss man sich einfuchsen. Es ist nicht so komfortabel und selbst erklärend wie LR. 

 

Mein Workflow mit Lightroom bei der Nachbearbeitung wie folgt:

 

- nachregeln der Farbtemperatur (bei Bedarf, oft in Richtung blau)

- den Tiefenregler deutlich nach rechts schieben. Es kommen nun Strukturen hervor, die bislang verborgen blieben.

- Lichterregler deutlich nach links schieben. Es werden die zu hellen Lichter gedimmt.

- Klarheitsregler nach rechts schieben. Eine Funktion, die ich gerade bei solchen Aufnahmen liebe. Die Konturen werden jetzt noch knackiger.

- Jetzt ins Histogramm schauen und eventuell noch Schwarz und Weiß nachregeln.

- Leicht die Belichtung anheben. Gerade wenn ihr die Bilder ausdrucken wollt, ist das wichtig. Meistens entspricht der Druck (Fotobuch, Fotokalender, Fotobilder) nicht dem, was man auf dem Bildschirm sieht. Er ist oft zu dunkel.

- Letzter finale Schritt ist die Schärfung des Bildes und ggf. beim Rauschen, das Rauschen entfernen.

- Zum Schluss speichert ihr das Bild als JEPG-Format ab (eigenen Ordner erstellen und sinnfälligen Namen vergeben).

Und noch ein Vorteil, das RAW-Format bleibt erhalten und kann bei Bedarf jederzeit geändert werden. Einfach nur genial!

 

Paar weitere Beispiele von mir, siehe unten.