"Der Sonnenkuss" Keine Angst vor dem Gegenlicht

 

Als ich mit 8 Jahren meine erste Kamera bekam, gab mir mein Vater als erstes auf dem Weg, "aber nicht gegen das Licht fotografieren!!!". Zugegeben, dies war noch zu den Zeiten der analogen Fotografie. Heute, mit der fortgeschrittenen Digitaltechnik, suche ich förmlich das Gegenlicht. Warum haben diese Bilder oft ihren Reiz? Ich möchte es am Beispiel rechts aus meiner Sicht erklären. Es zeigt das Hauptportal vom Dom zu Cádiz. Der Link führt sie zu mehr Bilder meiner "Andalisien-Reise".

 

Was Gefällt mir an dem Bild?

1. die kräftigen Farben und somit auch die starken Kontraste

2. das Spiel mit der Sonne

3. die Symmetrie die mit der Sonne dann doch wieder aufgehoben wird

 

zu 1. Gegenlicht erzeugen kräftige Farben. Die Kamera verhält sich bei dem Fotografieren wie das menschliche Auge. Schaut man in die Sonne blinzeln wir. Zu starke Sonneneinstrahlung schadet bekanntlich. Durch das zusammenkneifen kommt weniger Licht auf unsere Linse und somit werden die Farben auch dunkler und kräftiger. Genau das macht die Kamera auch. Wir stellen eine kleine Blende ein (verkleinern den Lichteintritt wie beim Zusammenkneifen der Augen) und der Rest wird kameraintern errechnet. Nicht überbelichtet und nicht unterbelichtet, im Rahmen von 10 Blendenstufen, die die Kamera hergibt wird jetzt das Bild erstellt. Dies kann grenzwertig sein, oder sogar unbrauchbar, da zu Viel des Guten, siehe auch hier "kritische Belichtung" und HDR-Technik. 

Aber auch hier musste ich mit der digitalen Dunkelkammer namens Lightroom nachbessern. Bei diesem Bild habe ich am PC mit Lightroom leicht die Tiefen rausgenommen. Somit tritt das Mauerwerk deutlicher hervor. Die Lichter habe ich auch etwas entschärft. Dies alles entspricht nun annähernd unserem menschlichem Dynamikumfang von 14 Blendenstufen, den wir wahrnehmen können. Eine Routinearbeit, mit einem Zeitaufwand von ca. 3 Minuten. In der analogen Fotografie hätte ich Stunden in einem dunklen Raum verbracht. Geschweige von den giftigen Dämpfen, die ich eingeatmet hätte. Im Nachhinein war die Warnung von meinem Vater damals berechtigt.

 

zu 2. Nun brauchte ich noch eine zusätzliche Belebung. Nur den Dom in seiner Symmetrie darzustellen wäre langweilig. Aber ich erkannte die tiefstehende Sonne und wollte sie bewusst mit einbinden. Ich schaute nach dem Schatten, den der Dom warf. Dort begab ich mich hin, bis der Dom die Sonne gerade so ankratze. Paar Versuche sind auch hier erforderlich. Zu viel des Guten erzeugt Blendenflecke, oder der Himmel wird zu hell dargestellt.

 

zu 3. Auch habe ich bewusst die Sonne nicht mittig am Dom angepeilt. Wie gesagt, zu viel Symmetrie ist nicht immer vorteilhaft.

 

Kameraausrüstung: Canon 5D III, 24mm-85mm, Polfilter

Kameraeinstellung: AV Grundeinstellung f 10, ISO-100, 24mm Brennweite, hieraus ergab sich eine Belichtungszeit von 1/125s, frei Hand

 

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